Über

Ypnesis:

 

 

 Überall dort, wo wir sind, findet Geschichte statt.

In den großen, belebten Straßen, wie auch in den kleinen, düsteren Gassen. Bei uns zu hause, bei den Nachbarn oder auch am anderen Ende der Welt.

Ausgestattet mit einer guten Beobachtungsgabe, gepaart mit etwas Einfühlungsvermögen, und einer Prise Fantasie kann man an den unterschiedlichsten Leben aller Lebewesen teilhaben.

Jeder Mensch bringt eine eigene Geschichte mit sich. Düstere, traurige, bittere- wie auch friedvolle, wunderbare Geschichten, die jedoch mit dem physischen Tod plötzlich nicht mehr vorhanden sind.

Von solchen Geschichten zu hören, sie selbst zu beobachten- und von ihnen zu berichten- dafür bin ich hier.


 


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Blog

Gastbeitrag: Oh Mann (er ist alles, was du nicht bist)

Oh Mann (er ist alles, was du nicht bist)

Du siehst ihn aus dem Autofenster,

siehst, wie er läuft,
auf so elegante Art.

Seine Kleidung: à la bonne heure -
du weißt nicht, was deine Jeans soll.

Siehst seinen sportlichen Körper.
Nicht so unförmig wie deiner.

Seine kurzen Haare; schöne Frisur.
Nicht so wie deine ... Mähne.

Du seufzt und denkst: Oh Mann.
Er ist alles, was du nicht bist.

Und in genau dem Moment rutscht er auf dem Eis
aus und fliegt auf die Fresse.

30.11.10 18:45, kommentieren

Magersucht.

Keuchend lief die Frau die Straße entlang. Es war eisig kalt, aber man konnte ihre kleinen Atemwölkchen im Dunkeln kaum wahrnehmen. Ihre großen, vor Entsetzen geweiteten schönen Augen huschten die Straße entlang, über ihre schmalen Schultern und wieder nach vorn. Schon immer lief sie. Weiter. Immer weiter. Damals getrieben vom Wahn- jetzt von der dunklen Gestalt, die nun auf sie lauert, irgendwo, das wusste sie.

Plötzlich ein stechender Schmerz, irgendwo dort, wo ihr Bauch sein sollte. Sie sah auf ihren Körper hinab, er löste sich auf. Sie sah auf ihre Hände, auch sie wurden blasser und durchscheinender.

„Nein“, schrie sie.

Sie brach zusammen, lächelte und weinte dabei bittere Tränen.

Ihr Körper wurde durchscheinender. Unwiderruflich. Sie wusste es- sie wollte es so.

Dennoch kämpfte sie sich auf ihre fast verschwundenen Beine, lief weiter, immer weiter. Sie konnte nicht anders, sie musste.

Vor ihren Augen tanzten Lichter. Bunte Schilder erleuchteten die belebte Straße. Es war ihr Ziel. Es war immer ihr Ziel gewesen.

Wieder ein Stechen. Diesmal stärker und unnachgiebiger.

Gleichzeitig spürte sie, wie etwas in ihr aufstieg.

Von ihrer Brust ausgehend über ihren dünnen Hals wandernd, über ihre hohlen Wangenknochen, ihre tiefliegenden Augen und über ihre Stirn hinaus.

Sie versuchte es noch zu fassen, schrie, flehte, hoffte, dankte, aber ihre Hände waren verschwunden.

Sie lag auf dem Boden, ihre schönen Augen ins Leere starrend.

28.11.10 21:07, kommentieren